Die Zukunft der Fehmarnbelt-Region: Eine neue Verbindung, eine neue Identität
Statt über das „Warum“ zu diskutieren, fragt das Projekt nach dem „Wie“: Wie können sich die Menschen, die Städte und Kulturen dieser neuen deutsch-dänischen Region verändern, wenn die Fehmarnbelt-Querung Realität wird? Welche Chancen entstehen – abgesehen von der wirtschaftlichen Entwicklung?
Mit der bevorstehenden Fehmarnbelt-Querung entsteht nicht nur eine neue Verkehrsverbindung, sondern auch eine Möglichkeit, zwei Länder noch enger miteinander zu verknüpfen. Das EU-geförderte Projekt „BELT Planning & Network Initiative“ nutzt diese Gelegenheit, um eine grenzübergreifende Identität zu schaffen: durch kulturellen Austausch, Zusammenarbeit und innovative Ansätze für Stadtentwicklung.
Anika Slawski, Projektleiterin an der Technischen Hochschule Lübeck, bringt es auf den Punkt: „Wir wollen darüber sprechen, welche kulturellen Werte und Vorteile aus der Fehmarnbelt-Querung entstehen können.“ Das BELT-Projekt betrachtet die Region aus einer menschenorientierten Perspektive und legt den Fokus auf die Städte zwischen Hamburg und Kopenhagen. Besonders dort, in kleineren Gemeinden und ländlichen Räumen, könnte eine ganz neue Dynamik entstehen.
Lasse Koefoed, Projektleiter an der dänischen Roskilde Universität, unterstreicht diese Vision: „Unser Fokus liegt nicht nur auf der großen regionalen Perspektive, sondern auf den Orten, die konkret miteinander verbunden werden. Was macht diese Räume aus? Wie werden sie beeinflusst? Und was sind die heutigen und zukünftigen Werte der Region?“
Eine neue Perspektive durch die nächste Generation
Studierende der Architektur und Stadtentwicklung an der Technischen Hochschule (TH) Lübeck und der Universität Roskilde spielen eine tragende Rolle im BELT-Projekt. Sie analysieren die Region, entwickeln Ideen und setzen auf eine nachhaltige Stadtentwicklung – immer mit einem „Bottom-up“-Ansatz, der die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Denn erst durch ihre aktive Nutzung werden die Städte lebendig und entfalten ihr Potenzial.
Einer dieser jungen Köpfe ist Mara, 24 Jahre alt und Studentin der Stadtplanung an der TH Lübeck. Ihre Reise mit „BELT“ begann mit einem BELT-Studio, einem mehrtägigen Workshop, in dem sie erstmals mit dänischen Studierenden in Kontakt kam. „Die Fehmarnbelt-Region bietet die Chance, Stadtentwicklung neu zu denken. Es geht darum, Kulturen und Nationalitäten zu verbinden, den Austausch zu fördern und gemeinsam die Potenziale der Städte zugänglicher zu machen.“
Die interkulturelle Zusammenarbeit faszinierte sie, und schließlich entschied sie sich dazu, ihr Studium für ein Jahr in Dänemark fortzusetzen. „Ich hatte immer darüber nachgedacht, ein Auslandssemester zu machen. Wegen Corona konnte ich das im Bachelor nicht, aber ich wusste, dass Auslandserfahrungen wertvoll sind.“
Besonders die BELT-Studios, an denen sie mehrfach teilnahm, vertieften ihr Verständnis für die Region. Neue Perspektiven entstanden, nicht nur durch das Erleben eines neuen Landes, sondern auch durch die Reflexion über das eigene Zuhause. „Ich war vorher noch nie in Dänemark, und es war spannend, das Land kennenzulernen. Aber genauso faszinierend war es, später nach Lübeck zurückzukehren – mit einer neuen Perspektive, fast wie ein Gast in der eigenen Stadt.“
Ein Netzwerk, das Menschen zusammenbringt
„BELT“ ist mehr als eine akademische Übung – es ist eine Plattform für Austausch. Die Zusammenarbeit zwischen dänischen und deutschen Akteuren, zwischen Stadt und Land, zwischen Wissenschaft und Praxis schafft ein Netzwerk, das neue Impulse setzt.
Studierende entwickeln Konzepte zur Stadtentwicklung, um urbane Räume lebendig zu halten. „Unsere Konzepte sind keine fertigen Pläne, sondern Denkanstöße, die Menschen, Kommunen und Städte inspirieren sollen“, erklärt Projektleiterin Slawski.
Besonders die Innenstädte der BELT-Region stehen im Fokus, da sie vor strukturellen Herausforderungen stehen. Untersuchungen zeigen, dass junge Menschen eine Schlüsselrolle spielen, indem sie diese Räume wieder mit Leben füllen. Deshalb erarbeiten die Studierenden konkrete Vorschläge, wie Orte zu Treffpunkten für Begegnung und Erlebnisse werden können. Ihre Ideen werden in öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt und in öffentlichen Räumen ausgestellt, um den Dialog zwischen kreativen Köpfen und Entscheidungsträgern zu fördern.
Der grenzüberschreitende Austausch bringt neue Perspektiven: „Lübeck lässt sich von Dänemark inspirieren, zum Beispiel durch das Konzept der Concept Stores. Gleichzeitig kann Dänemark von Deutschlands Tourismusentwicklung lernen, insbesondere im Küstenbereich“, so Majken Toftager, Projektkoordinatorin an der Universität Roskilde.
The BELT Map: Wissen teilen, Verbindungen schaffen, Inspiration finden
Für Josephine Saabye, Architektin bei Rural Agency, einem dänischen Projektpartner, ist das Projekt mehr als ein planerisches Vorhaben – es ist eine Chance für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Besonders der Netzwerkgedanke spielt für sie eine zentrale Rolle. „Unsere Hauptaufgabe im Projekt ist die Netzwerkarbeit“, erklärt sie. Eine der wichtigsten Initiativen dabei ist die Entwicklung der interaktiven BELT Map.
Die BELT Map bündelt Stadtplanungsprojekte, kulturelle Initiativen und touristische Ansätze – und erleichtert den grenzüberschreitenden Austausch. Erfolgreiche Projekte können als Vorbild für andere Regionen dienen. „Wenn etwa ein kleines Tourismusprojekt in Dänemark erfolgreich ist, kann es anderen Regionen als Beispiel dienen. So entsteht ein Wissenstransfer, der grenzüberschreitend wirkt.“ Das Ziel: Akteure vernetzen, Wissen teilen und neue Kooperationen anstoßen. Genau diese Dynamik macht „BELT“ als Initiative so wertvoll.
Interreg: Die treibende Kraft hinter „The BELT“
Ohne die finanzielle Unterstützung von Interreg wäre das Projekt nicht realisierbar gewesen. „Wir hätten die BELT-Plattform, die BELT-Studios, den Studierendenaustausch und die gesamte Netzwerkstruktur ohne Interreg nicht aufbauen können. Es ist entscheidend, dass ein Rahmen existiert, der solche interdisziplinären und grenzüberschreitenden Prozesse ermöglicht,“ erklärt der dänische Projektleiter Lasse Koefoed.
Das Projekt wird mit ca. 815.688 Euro vom EU-Förderprogramm Interreg Deutschland-Danmark und der Europäischen Union unterstützt. Der Partnerkreis umfasst auf deutscher Seite die Technische Hochschule Lübeck, Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH und auf dänischer Seite Roskilde Universitet, Rural Agency ApS, Slagelse Kommune, Stevns Kommune, Landdistrikernes Fællesråd, S/I Erhvervshus Sjælland und Lolland Kommune.
Die Nachfrage ist groß: „Es gibt eine Warteliste für Studierende, die sich für die BELT-Aktivitäten und den Austausch zwischen Deutschland und Dänemark interessieren – sie wollen diese Chance nutzen, um mit anderen jungen Menschen zusammenzuarbeiten und neue Perspektiven zu entdecken“, so Majken Toftager.
Trotz der bisherigen räumlichen Trennung gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen den deutschen und dänischen Teilen der Region. Genau diese Verbundenheit steht im Mittelpunkt des Interreg-Projekts „BELT Planning & Network Initiative“ – eine Geschichte über Austausch, Zusammenarbeit und eine gemeinsame Zukunft.
