Wie ein deutsch-dänisches Projekt kleinen Unternehmen den Mut zur Nachhaltigkeit gibt
Als GrønBusiness an den Start ging, war die Unsicherheit in vielen kleinen und mittleren Unternehmen groß: Wo fängt man bei all den Nachhaltigkeitsthemen überhaupt an? Kreislaufwirtschaft, Lieferkettenanforderungen, ESG – also die Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte eines Unternehmens. Die Themen sind komplex, die Erwartungen hoch. Doch die wenigsten Betriebe wissen, wie sie den ersten Schritt machen sollen. „Viele Unternehmen wissen, dass sie etwas tun müssen, aber nicht, wo sie anfangen sollen,“ sagt Anja Kujawski von der Wirtschaftsförderung Nordfriesland.
GrønBusiness kann keine fertigen Lösungen liefern – dafür sind Unternehmen zu unterschiedlich, ihre Ausgangslagen zu individuell. „Wir sind Impulsgeber. Wir können nicht alles messen, aber wir können inspirieren und vernetzen. Und wir können Sicherheit geben im Umgang mit einem komplexen Thema,“ so Kujawski. Genau das wurde zum Leitmotiv des Projekts.
„Mit GrønBusiness möchten wir die vielfältigen Mehrwerte von nachhaltiger Unternehmensführung sichtbar machen sowie kleinen und mittleren Unternehmen Wege zeigen, wie sie Nachhaltigkeit möglichst handlich in ihren Betrieb integrieren können,“ ergänzt Projektleiterin Ines Rüttinger, KielRegion.
Tools, die Unternehmen wirklich weiterbringen
Damit Nachhaltigkeit nicht länger ein abstraktes Schlagwort und ein „nice-to-have“ Gedanke ist, hat GrønBusiness eine Reihe praxisnaher Werkzeuge entwickelt: Tools, die Unternehmen Schritt für Schritt in die grüne Transformation begleiten. Dazu gehören eine Online-Toolbox, ein Factbook mit den wichtigsten Begriffen, Poster, Pocket Guides, ein ESG-Flyer sowie ein vollständiges Kursmaterial zu ESG und Kreislaufwirtschaft. Alle Materialien wurden in beiden Ländern getestet und trafen genau den Bedarf der Zielgruppe.
„Viele kleine Unternehmen wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Das Kursmaterial hilft ihnen, die richtige Richtung zu wählen,“ so Troels Larsen, Business Esbjerg.
„Das Projekt hat Nachhaltigkeit für kleine Unternehmen konkret und wirtschaftlich relevant gemacht. Zum Beispiel spart ein lokales Bauunternehmen inzwischen mehrere tausend Euro im Jahr, nur weil es seine Maschinen konsequent ausschaltet, wenn sie nicht genutzt werden,“ sagt Laila Carlsen, Sorø Erhverv.
Wirkung, die man nicht in CO₂ messen kann
Die Wirkung von GrønBusiness zeigt sich nicht in Emissionszahlen, sondern in der Art und Weise, wie Wirtschaftsförderer heute beraten, begleiten und Entscheidungen vorbereiten. Durch das Projekt haben sie neue Werkzeuge, Methoden und Perspektiven kennengelernt, und setzen diese nun in ihrer täglichen Arbeit ein.
„Wir unterstützen Unternehmen in dem, was sie ohnehin vorhaben,“ sagt Thorsten Liliental. Mit den neuen Tools können Wirtschaftsförderer heute gezielter begleiten: Sie helfen Unternehmen, Prioritäten zu setzen, Orientierung zu finden und konkrete nächste Schritte zu definieren.
Auch Larsen betont, wie wichtig ein klarer Einstieg in die grüne Transformation ist: „Ein guter erster Schritt ist es, mit den wichtigsten Kunden zu sprechen. Große Kunden formulieren heute oft sehr konkrete ESG‑Anforderungen. Das dem Unternehmen helfen, ihre eigenen Schwerpunkte zu erkennen.“
Austauschformate, die Wirkung zeigen
GrønBusiness hat Formate geschaffen und getestet, die Menschen ins Gespräch bringen – und genau dort beginnt Veränderung. Ob beim Grøn.Impuls‑Online‑Frühstück, beim Round Table Nachhaltigkeitsmanagement, beim Barcamp for Future oder bei den Cross‑Border Company Meetings.
„Der größte Mehrwert liegt im regelmäßigen Austausch und in dem gegenseitigen Lernen. Kooperation bringt mehr als Konkurrenz. Wenn Unternehmen ihre Erfahrungen teilen, entstehen Verbindungen, die tragen. Niemand muss Nachhaltigkeit allein bewältigen,“ so Thorsten Liliental von der Wirtschaftsförderung Rendsburg‑Eckernförde.
Das Barcamp‑Format war für viele ein Aha‑Moment. Es handelt sich um eine offene Veranstaltung ohne feste Agenda, in der die Teilnehmenden selbst bestimmen, welche Themen diskutiert werden. Keine Folien, keine Frontalvorträge – dafür echter Austausch auf Augenhöhe.
„Ich hätte nie gedacht, dass Menschen zu einer Veranstaltung ohne feste Agenda kommen. Aber das Barcamp hat mich positiv überrascht. Die Offenheit, die Energie, die Beteiligung. Dieses Format möchte ich unbedingt auch auf dänischer Seite ausprobieren,“ sagt Troels Larsen.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die inspiriert
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war der gemeinsame Besuch der Kalundborg Symbiosis in Dänemark. Dort arbeiten seit Jahrzehnten mehrere Industrieunternehmen so zusammen, dass sie Ressourcen, Energie, Wasser und Nebenprodukte miteinander teilen. Was bei einem Unternehmen als Abfall entsteht, wird bei einem anderen zum wertvollen Rohstoff – ein funktionierendes Netzwerk industrieller Kreisläufe, das weltweit als Vorbild gilt.
Für die deutschen und dänischen Partner war der Besuch eine eindrucksvolle Erfahrung, weil er zeigte, wie konsequent und pragmatisch Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden kann.
„Kalundborg Symbiosis hat mich beeindruckt. Dort sieht man sehr konkret, wie Unternehmen voneinander profitieren, wenn sie Ressourcen teilen und gemeinsam denken. Diese Form der industriellen Kreislaufwirtschaft ist ein Vorbild und etwas, von dem wir in Deutschland viel lernen können,“ sagt Thorsten Liliental.
1.8 Millionen Euro Förderung durch Interreg
GrønBusiness ist aus einer Zusammenarbeit entstanden, die ohne Interreg Deutschland–Danmark und die Unterstützung der Europäischen Union so nicht zustande gekommen wäre. Die Förderung hat Partner aus beiden Ländern zusammengebracht – die KielRegion, die WFG Rendsburg‑Eckernförde, die WFG Nordfriesland und die Hochschule Flensburg sowie Kalundborgegnens Erhvervsråd, Syddansk Universitet, Business Esbjerg und die Sorø Kommune.
Projektleiterin Rüttinger beschreibt es treffend: „Mit Interreg können wir durch die verschiedenen Perspektiven der Länder und Kulturen neue Denkweisen und Methoden erfahren. Das Projekt zusammen anzugehen, ermöglicht uns daher ganz andere Lösungsansätze.“
Genau das hat GrønBusiness geprägt. Die Partner haben voneinander gelernt, sich gegenseitig inspiriert und gemeinsam Ansätze ausprobiert, die über nationale Routinen hinausgehen.
