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Deutsch-dänisches Schulprojekt: Neue Impulse für nachhaltige Ausbildung

Wenn von der grünen Wende die Rede ist, geht es häufig um große Visionen – seltener jedoch um die konkrete Praxis, die Veränderungen tatsächlich vorantreibt. Das deutsch-dänische Interreg-Projekt GerDa hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet: Acht Bildungseinrichtungen aus beiden Ländern haben gemeinsam daran gearbeitet, nachhaltige Ideen in den Schulalltag zu integrieren und über Fachbereiche und Kulturen hinweg in die Tat umzusetzen.

Das Projekt stärkt nachhaltiges Denken bei Schülern, Lehrkräften und im gesamten Schulumfeld. Die Zusammenarbeit findet in Klassenräumen, Werkstätten, auf Exkursionen, im gemeinsamen Unterricht und bei transnationalen Veranstaltungen statt – überall dort, wo junge Menschen und Lehrkräfte gemeinsam an der grünen Wende arbeiten.

„Wir entwickeln viele gute grenzübergreifende Aktivitäten, die das Verständnis für Nachhaltigkeit fördern. Man spürt, dass sich etwas bewegt und wir uns in dieselbe Richtung entwickeln“, sagt Claus Baltzer, Projektleiter am IBC International Business College.

Die deutsch-dänische Kooperation hat einen Mehrwert geschaffen, den keine der Schulen allein hätte erreichen können. GerDa verfolgt das Ziel, nachhaltige Praxis und Bildung fest im Unterricht zu verankern.

Sustain Olympics in Flensburg: Nachhaltigkeit als Wettbewerb

Ein konkretes Beispiel sind die Sustain Olympics, bei denen rund 150 Schüler und Studierende in Flensburg zusammenkamen, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln und gegeneinander anzutreten. Das Format orientierte sich an den olympischen Spielen: Die Teams arbeiteten an einem realen Auftrag des Universe Science Park und entwickelten Ideen für neue, nachhaltige Attraktionen.

„Die Sustain Olympics machen Nachhaltigkeit für junge Menschen greifbar. Es ging nicht um abstrakte Visionen, sondern um echte Herausforderungen, die ihre Kreativität gefordert haben. Die Aufgabe kam von einem Unternehmen, das die Ideen tatsächlich nutzen kann“, erklärt Camilla Hyldahl Grøn, Projektmitarbeiterin am IBC.

Die Teams arbeiteten fachübergreifend, während Lehrkräfte aus beiden Ländern unterstützend durch die Gruppen gingen. Die Atmosphäre wechselte von konzentrierter Arbeit zu spürbarer Spannung, als die Vorschläge vor einer Fachjury präsentiert wurden. Für viele war es das erste Mal, ihre nachhaltigen Ideen einem Publikum vorzustellen.

„GerDa lebt von den kleinen Momenten und persönlichen Begegnungen. Schon ein kurzer Austausch kann neue Perspektiven eröffnen – genau darin liegt der Mehrwert“, betont Projektleiter Claus Baltzer.

 

Entwicklung nachhaltiger Kompetenzen

Wie vermittelt man jungen Menschen nachhaltige Kompetenzen? Und wie entsteht ein ganzheitliches Verständnis für Nachhaltigkeit? Beide Länder stehen vor derselben Aufgabe: Es braucht mehr Fachkräfte, die im grünen Sektor arbeiten und Nachhaltigkeit praktisch umsetzen können. Je früher junge Menschen damit in Berührung kommen, desto stärker wirkt sich das auf ihre berufliche Zukunft aus.

„Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass die Schüler und Schülerinnen in realen Situationen mit Nachhaltigkeit arbeiten – nicht nur im Klassenzimmer. Das hat sowohl fachliche als auch persönliche Entwicklungen hervorgebracht, neues Wissen und konkrete Ergebnisse“, sagt Julie Hoff, Mitglied des Projektleitungsteams beim deutschen Partner BBZ Schleswig.

Einige Fachteams arbeiteten über längere Zeiträume hinweg zusammen, etwa im Baubereich, wo mit neuen nachhaltigen Materialien und Methoden experimentiert wurde.

„Wir haben mit Kork, Lehm und Hanf experimentiert. Das war für Schüler und Lehrkräfte gleichermaßen spannend. Wir haben viel gelernt, und es sind Lösungen entstanden, die sich tatsächlich praktisch anwenden lassen“, sagt Michael Pleger, Fachlehrer und Bautechniker an der Eckener Schule in Flensburg.

So zeigt sich, wie GerDa echten Mehrwert schafft: Lehrkräfte beider Länder entwickelten neue Unterrichtskonzepte, während die Schüler praktische Erfahrungen mit alternativen Baumaterialien sammelten.

Entwicklung der Lehrkräfte: Weiterbildung als Schlüssel

Ein zentraler Bestandteil von GerDa war die Qualifizierung der Lehrkräfte. Das Projekt folgt dem Grundsatz, dass nachhaltige Veränderung bei den Lehrenden beginnt. Lehrkräfte aus Deutschland und Dänemark nahmen an Weiterbildungen, Austauschprogrammen und Workshops teil – von den UN-Nachhaltigkeitszielen bis hin zu praxisnahen Methoden für den Unterricht.

Paul Kohlmorgen betont, dass die Rolle der Lehrkräfte für den Erfolg von GerDa von zentraler Bedeutung ist, da sie diejenigen sind, die Nachhaltigkeit in der Unterrichtspraxis verankern. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Berufspädagogik an der Europa-Universität Flensburg, die als aktiver Projektpartner beteiligt ist.

„Die Lehrkräfte übernehmen im Projekt nicht nur eine fachliche, sondern auch eine moralische Verantwortung. Sie müssen authentisch auftreten und den Schülern zeigen, wie Nachhaltigkeit im Alltag gelebt werden kann – und so als Vorbilder für das Arbeitsleben der Zukunft wirken.“

Ihre Kompetenzen und ihre Haltung werden so zur treibenden Kraft, um Nachhaltigkeit dauerhaft im Unterricht und in der Schulkultur zu verankern.

Motivierte Schüler präsentieren ihre innovative Idee bei den Sustain Olympics.
Motivierte Schüler präsentieren ihre innovative und nachhaltige Idee bei den Sustain Olympics in Flensburg.

Perspektive der Schüler: Neue Wege und Chancen

GerDa hat nicht nur den Unterricht verändert, sondern auch neue Perspektiven für die Schüler eröffnet. Durch den Austausch mit jungen Menschen, Lehrkräften und Unternehmen aus beiden Ländern haben viele neue berufliche Möglichkeiten entdeckt.

„Viele haben gesagt, dass sie sich durchaus vorstellen können, auf der anderen Seite der Grenze zu arbeiten,“ sagt Claus Baltzer.

Ein Beispiel dafür sind Magnus und Jeppe vom IBC International Business College in Kolding. Sie nahmen an den Sustain Olympics teil und waren dort für umfangreiches Foto- und Videomaterial verantwortlich. Die Veranstaltung hat bei beiden einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„Auch wenn wir direkt an Deutschland grenzen, merkt man doch Unterschiede. Das macht neugierig – man möchte verstehen, wie Dinge dort funktionieren. Heute Morgen haben wir sogar über einen Auslandsaufenthalt in Deutschland gesprochen“, erzählen die beiden.

Das Projekt hat Nachhaltigkeit für die Schüler greifbarer gemacht und gleichzeitig soziale und kulturelle Erfahrungen ermöglicht. Sie erweitern nicht nur ihr Fachwissen, sondern entwickeln auch eine offenere, internationalere Denkweise.

Wenn Interreg neue Möglichkeiten schafft

GerDa war weit mehr als ein Nachhaltigkeitsprojekt – es war eine grenzübergreifende Zusammenarbeit, die konkrete Chancen für Schüler, Lehrkräfte und Schulen geschaffen hat.

„Ohne Interreg wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen. Die Förderung hat uns Raum gegeben, Neues auszuprobieren und die Zusammenarbeit zu stärken. GerDa hat bei uns viel bewirkt“, sagt Claus Baltzer.

Für die Schulen bedeutet das: Nachhaltigkeit ist kein Randthema mehr, sondern Teil des Unterrichts, der Projekte und des Schulalltags.

„Wir haben z.B. Apfelbäume zusammen mit den Dänen gepflanzt, daraus Apfelkuchen gemacht, und unsere Mensa arbeitet mit regionalen Produkten. Wir empfinden ein Gemeinschaftsgefühl rund um Nachhaltigkeit, das wir früher so nicht hatten,” erzählt Julie Hoff vom BBZ.

GerDa hat damit ein Fundament geschaffen – für fachliche und persönliche Entwicklung, für ein besseres Verständnis zwischen deutschen und dänischen Schulen und für neue Perspektiven der Schüler. Es zeigt, wie gezielte Förderung und Zusammenarbeit Wirkung entfalten können, die weit über den Projektzeitraum hinausreichen.

Das Projekt erhält ca. 2,3 Mio. Euro von Interreg Deutschland-Danmark und der Europäischen Union.

Zum GerDa-Partnerkreis gehören EUC Syd, International Business College sowie Fredericia Maskinmesterskole auf dänischer Seite und Europa-Universität Flensburg, Regionales Berufsbildungszentrum Flensburg Eckerner-Schule, Hannah-Arendt-Schule Regionales Berufsbildungszentrum Flensburg, Berufsbildungszentrum Schleswig sowie HLA – die Flensburger Wirtschaftsschule auf deutscher Seite.