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Wie Dänemark und Deutschland die Geschichte des Zweiten Weltkriegs neu erzählen

Wie vermittelt man Themenbereiche zum Zweiten Weltkrieg an neue Generationen auf eine Weise, die sowohl historisch verantwortbar als auch interessant und relevant ist?

Diese Frage ist der Kernpunkt für das deutsch-dänische Projekt Hope & Despair, in dessen Rahmen sieben Museen, vier Bildungseinrichtungen und drei Tourismusorganisationen seit 2023 in Bezug auf die Entwicklung neuer Vermittlungsformen und die Stärkung des grenzübergreifenden Tourismus eng zusammenarbeiten.

Das Ergebnis ist ein Projekt, das nicht nur konkrete Produkte hervorgebracht hat, sondern auch neue Beziehungen, neue Erkenntnisse und ein neues Verständnis in Bezug darauf, wie wir die dunkelste Geschichte Europas in einem modernen Kontext erzählen.

Der gemeinsame thematische Ausgangspunkt des Projekts war das Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Verzweiflung – Hope & Despair – zwei untrennbare Dimensionen im Storytelling über den Zweiten Weltkrieg. Die Absicht war, Vermittlungs- und Schulungskonzepte sowie Tourismusprodukte zu entwickeln, die die Geschichte sowohl jungen Menschen und Erwachsenen als auch internationalen Besuchenden näherbringen können.

 

„Wenn die Geschichte neuen Zielgruppen nähergebracht werden soll, müssen wir es wagen, in völlig neuen Formaten zu denken,” erklärt Projektleiter Sune Gudiksen von der Designskolen Kolding. „Wir können die Geschichte nicht weiterhin auf dieselbe Weise wie vor 20 Jahren erzählen. Die Welt hat sich verändert – und unsere Vermittlung muss dies ebenso.“

Es erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen Historikern, Designern, Schulungskräften und Leuten aus dem Tourismusbereich sowie auch zwischen deutschen und dänischen Organisationen, die jeweils von unterschiedlichen Erinnerungskulturen geprägt sind.

Kulturelle Unterschiede als Herausforderung und Triebkraft

Gerade die kulturellen Unterschiede erwiesen sich schnell als eine der größten Herausforderungen des Projekts. Gry Scavenius Bertelsen vom Frøslevlejrens Museum berichtet, wie heftig deutsche Kooperationspartner auf die Verwendung von Symbolen wie Hakenkreuze oder auf dramatische Ausdrucksmittel wie Projektorbeleuchtung an einem Wachturm reagieren konnten. „Wir dachten eigentlich, dass wir einander gut kennen“ sagt sie. „Aber plötzlich fanden wir uns in Situationen, wo etwas, das für uns Dänen völlig natürlich erschien, unsere deutschen Kollegen wesentlich stärker traf. Wir fragten uns also: Wie vermitteln wir das hier auf eine Weise, die für alle respektvoll ist?“

Auch Clara Mansfeld von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg erlebte, dass das Projekt die Unterschiede zwischen dem deutschen und dänischen Umgang mit Erinnerungskultur deutlich machte. „Das Schwierige war nicht die Sprache“, sagt sie. „Die eigentliche Herausforderung war, einen gemeinsamen fachlichen Rhythmus zu finden. Historiker, Tourismusleute und Designer denken nun einmal sehr unterschiedlich – und es brauchte Zeit, um die Denkweisen der anderen wirklich zu verstehen. Aber wenn es gelang, entstand etwas ganz Besonderes.“

Neue Formate, die Sichtbarkeit und Zusammenhänge schaffen

Trotz der Komplexität ist es Hope & Despair gelungen, eine Reihe starker, konkreter Ergebnisse zu schaffen, die bereits in Gebrauch sind. Zu den sichtbarsten gehört die sogenannte Triangular Exhibition – eine physische Installation, die Ton, Grafik und eine Form der Orientierung kombiniert, die Gästen hilft, weitere Orte zu finden.

Sie kann sowohl draußen als auch drinnen stehen und ist wie ein kleiner Ausstellungspunkt, der gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen den Museen herstellt. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass eine so einfache Form so funktionell sein könnte,“ erzählt Sune Gudiksen. „Aber das Dreieck funktioniert wie eine Art Orientierungspunkt. Es weckt Neugier – und es ermuntert die Leute, zum weiteren Erkunden.“

Das Buch, der Podcast und die digitalen Erzählungen

Ein anderer zentraler Punkt ist das Buch „Ich war hier“, das kurze, persönliche Erzählungen mit modernen, nahezu comicartigen Ausdrucksmitteln kombiniert. Das Buch wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Designschulen und Historikern entwickelt und macht die Geschichte leichter zugänglich, ohne dass die Fachlichkeit darunter leidet.

Die Podcast-Serie, die von Studierenden mehrerer Bildungseinrichtungen produziert wurde, verbindet die Orte in Deutschland und Dänemark digital. „Es war wirklich schön zu sehen, wie die Studierenden Schritt für Schritt Verantwortung übernommen haben,“ sagt Clara Mansfeld. „Sie brachten eine Leichtigkeit und Kreativität mit, von der wir anderen tatsächlich viel mitnehmen konnten.“

Die Tourismusorganisationen haben gleichzeitig Erlebnispakete entwickelt, die Museen und Produkte in konkreten Tourvorschlägen bündeln. Auch im Schulbereich gab es Verbesserungen durch grenzübergreifende Unterrichtspläne, im Rahmen derer Schüler an einem Tag zwei Orte besuchen und mit Tagebüchern, Kollagen und kreativen Übungen arbeiten. Bei Schulen und Schülern sind die kreativeren Formate gut angekommen, und das Material wird laufend getestet und justiert.

Vermarktung eines schweren und sensiblen Themas

Für die Tourismusakteure war das Projekt eine besondere Herausforderung, weil es um die Vermarktung eines historisch schweren und sensiblen Inhalts ging. „Das ist heavy Stuff,” sagt Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismusagentur Flensburger Förde. „Unsere Arbeitsthemen sind normalerweise Strände, Lächeln und Sommer. Hier mussten wir eine Weise finden, Krieg und Leiden zu vermitteln, ohne die Menschen abzuschrecken. Das war eine Gratwanderung.“

Er beschreibt, wie die Auswahl von Bildern, Farben und Symbolik immer wieder getestet und justiert wurde. „Wir mussten uns selbst die ganze Zeit fragen: Ist das hier zu viel? Ist das zu wenig? Treffen wir den Ton? Stacheldraht durften wir zum Beispiel nur in einer stilisierten Form verwenden. Das war ein Kompromiss zwischen den deutschen und dänischen Partnern, der jedoch wichtig war.“

Ein Projekt, das Spuren hinterlassen hat – und weiterlebt

Für viele Teilnehmer war Hope & Despair wesentlich mehr als ein Kooperationsprojekt. Es war eine persönliche und fachliche Reise. „Ich habe einen ganz neuen Blick darauf bekommen, wie wir mit Erinnerungskultur arbeiten – und darauf, wie unterschiedlich wir das auf beiden Seiten der Grenze tun.“ erzählt Clara Mansfeld.

Gry Scavenius Bertelsen erlebte dasselbe – aber es waren besonders die Beziehungen, die einen Eindruck hinterließen. „Das hört sich vielleicht etwas überschwänglich an,“ sagt sie, „aber das Projekt hat uns tatsächlich sehr eng verbunden. Es sind nicht länger nur Kooperationspartner. Es sind Menschen, mit denen ich zukünftig zusammenarbeiten werde. Es ist doch viel leichter, einfach zum Telefon zu greifen, wenn man weiß, wen man anrufen muss.“

Dass das Projekt überhaupt durchgeführt werden konnte, lag an den finanziellen Rahmenbedingungen. Hope & Despair wird mit ca. 1,2 Millionen Euro von Interreg Deutschland-Danmark und der Europäischen Union gefördert – eine Finanzierung, die das Bündeln eines breit gefächerten Partnerkreises ermöglicht und ein gemeinsam bewirktes grenzübergreifend positives Ergebnis geschaffen hat.

Teilnehmer auf dänischer Seite sind Designskolen Kolding, Billund Kommunes Museer, Museum Kolding, Museet Frøslevlejren, Destination Trekantområdet, Foreningen Destination Sønderjylland und University College Syddanmark. Auf deutscher Seite besteht der Partnerkreis aus KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, KZ-Gedenkstätte Husum Schwesing (Kreis Nordfriesland), KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf – Jüdisches Museum, Tourismus Agentur Flensburger Förde, Fachhochschule Kiel und Europa-Universität Flensburg.

Projektleiter Sune Gudiksen hat in Bezug auf die Bedeutung der Interreg-Förderung keinerlei Zweifel: „Durch Interreg konnten grenzübergreifend sieben Museen, vier Bildungseinrichtungen und drei Destinationen in Bezug auf eine gemeinsame Vermittlungs- und Tourismuszielsetzung gebündelt und veranlasst werden, auf dasselbe Ziel hinzuarbeiten.“

Er nennt auch das seiner Ansicht nach größte Ergebnis des Projekts: „Das Wichtigste ist, dass wir nicht nur dagesessen und über Zusammenarbeit geredet haben. Wir haben tatsächlich gemeinsam etwas geschaffen, worüber sich sowohl der Tourismus als auch die Gesellschaft freuen können.“